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Millau, Südfrankreich (F)

Kult-Kessel im Karst - Mekka des "Vol Libre"


Das Fluggelände von Millau ist weit über Frankreichs Landesgrenzen hinaus bekannt - vielleicht gehört es sogar zu den berühmtesten Gebieten Europas. Das liegt unter anderem daran, daß hier schon lange vor der Erfindung des Gleitschirms “Vol Libre” betrieben wurde: zur Blütezeit des Drachensports war Millau wirklich jedem Piloten ein Begriff. Zwischenzeitlich, im Zuge der aufkommenden Tuchfliegerei, ist so manches neue Fluggebiet in Europa entstanden und versucht, Millau den Rang des “Kultberges” streitig zu machen- nicht unbedingt mit Erfolg.

In Millau ist und bleibt der "Vol Libre" allgegenwärtig. Es gibt kaum eine Caféterrasse im Stadtzentrum, von der man nicht zumindest einen der drei Flugberge und die umherschwirrenden Farbtupfer sähe. Und noch etwas wird man dem Städtchen im Département “Aveyron” niemals nehmen können: seine ganz spezielle Aerologie.

Millau liegt fast wie in einem Kessel am Nordrand des “Larzac” - dieses karstige Hochplateau erstreckt sich dann in südlicher Richtung bis zum Abbruch, wo die Ebene des Languedoc und die Herrschaft des Mittelmeers beginnt. Die Stadt liegt also an der Scheidegrenze zwischen mediterranem und festländischen Klima - vielleicht einer der Gründe für die günstigen Windverhältnisse. Oft kommen die Piloten aus einem Umkreis von weit über hundert Kilometern angereist, weil bei ihnen daheim “eben nichts mehr geht”.

Typisches Beispiel ist die berüchtigte Tramontane des Languedoc, die häufig den Startplatz “Brunas” oberhalb von Millau in Form eines netten Soaringwindes anhaucht, um sich dann Richtung Mittelmeer gleich hinter dem Plateau in eine gewalttätigen Föhnsturm zu verwandeln. Ganz besonders bekannt sind Millaus Flugberge aber für die sagenhafte und sanfte Umkehrthermik, die sich am Nordrand des Plateaus staut. “Restitution”, stellen dann die spätnachmittags eintreffenden Piloten zufrieden fest und folgen den anderen Farbtupfern, die hoch überm Startplatz fast bewegungslos in der Abendsonne kleben. So manchem Anfänger, der sich problemlos in ungeahnte Höhen katapuliert sieht, mag es dann sogar unmöglich erscheinen, aus dem kräftigen Softie- Aufzug wieder auszusteigen - es reicht aber, beherzt in Richtung Stadt zu fliegen. Irgendwann, schon lange bevor das Lotrecht der goldenen Dächer erreicht ist, “geht es dann doch wieder herunter”. Und selbst der unvorsichtige Novize, der sich hinter den Startplatz “verblasen” läßt, findet dort kaum böse Rotoren, sondern eher nur die großzügige Weite des Plateaus für eine sanfte Landung. Da toplanden sowieso sehr viele Piloten.

Eben nicht nur das spätabendliche Soaring vermag Anfänger anlocken, sondern auch die teilweise enormen Start- und Landeflächen. Vor allem der Landeplatz “Millau-Plage” am Fuße der Puncho ist beeindruckend: man könnte ihn mit einer Rollbahn von Chicago verwechseln. Doch Vorsicht, das Zusammenspiel von Wind und Thermik können ihn sehr turbulent machen. Einige hundert Meter davon entfernt haben sich Millaus Piloten kürzlich ein Phantasma verwirklicht, von der die meisten anderen weiterhin nur träumen können: welcher landende Gleitschirmflieger hat nicht schon einmal auf die weiträumigen saftigen Wiesen eines Golfplatzes unter seine Füßen geschielt, um dann aus Furcht vor hauenden Schlägern doch auf’s offizielle Feld auszuwei-

chen. Die Piloten von Millau haben kurzerhand den ganzen Golfplatz gemietet und landen seither sehr luxuriös! Und quasi als Sahnehäubchen liegt dieser zudem direkt zwischen dem erfrischenden Tarn-Fluß und der Gartenterrasse des Restaurant “Le Golf”, wo man hervorragende Pizzas bei Kerzenlicht serviert. Nicht erstaunlich, das die Kneipe zu DEM Fliegertreff von Millau geworden ist.

Da erzählt man sich dann in der lauen Abendluft die Heldentaten des Tages. Zu solchen Leistungen bietet Millau ebenfalls einige Gelegenheiten - die mittäglichen Thermiken haben es in sich. Allerdings kann es dann relativ turbulent werden: die angereisten Anfänger sollten sich nicht von der abendlichen Soaring-Sänfte täuschen lassen und sind besser beraten, nachmittags zum Beispiel den Zusammenfluß der berühmten Tarn- und Jonteschluchten lieber zu Fuß zu erkunden! Nichtfliegerische Aktivitäten gibt es in der Gegend sowieso genug: Kajak oder Klettern in den Schluchten des Tarn, Mountainbike auf dem Hochplateau oder Höhlenforschung in den Löchern darunter. Und für Gastronomiefans sind die Käsekeller des berühmten Roquefort nicht weit, desses Manufakturen von den unzähligen romantisch blökenden Schafherden der Gegend mit Rohmaterial versorgt werden.

Für echte Strecken-Cracks hingegen gibt es eine Aufgabe, die vor einigen Jahren erstmals geknackt wurde: der Flug bis zum Meer. Das heißt: bei leichtem Nordwind von Brunas starten, aufdrehen, fast 40 Kilometer Hochplateau überbrücken, dann am Abriß mit bösartigen Turbulenzen kämpfen, nochmals knapp 50 Kilometer Flachlandthermik auskurbeln, um schließlich an den Stränden des “Großen Blauen Meers” zu landen. Eine legendäre Strecke, die zwar in aller Munde, aber nur in den wenigsten Flugbüchern zu finden ist!

Detailinformationen zum Fluggebiet Millau:

Start- und Landeplätze:

Startplatz: Puncho d’Agast S, SE 840m:

  • Günstige Bedingungen: bei schwachem Südwind oder Brisensystem.
  • Gefahren: bei starkem Südost-Wind. Leichter Geländeabriß unterhalb des Startes.
  • Auffahrt zur “Puncho”: In Millau Richtung Nant fahren, dann Richtung “Montpellier-le-Vieux” abbiegen. Oben auf dem Plateau angekommen nach rechts abbiegen.

Startplatz: Puncho d’Agast W 830m:

  • Günstige Bedingungen: Westliche bis Nordwestliche Winde. Brisensystem.
  • Gefahren: bei Seitenwind meiden.

Landeplätze für die Puncho:

  • A1: “Millau-Plage” 360m. Sehr großes Feld. Gefahren: Stromleitung am Straßenrand. Immer Sommer oft turbulent, besonders bei westlichen Winden.
    Zufahrt: Von Millau aus Richtung Nant, gleich nach der Brücke links abbiegen bis zum “Camping de Millau Plage”
  • A2: “Le Golf” 360m. Nur sommers in Betrieb. Reiner GS-Landeplatz.
    Gefahren: Hohe Bäume, Gebäude und Stromleitungen.
    Zufahrt wie A1, vorher schon am ehemaligen Golfplatz anhalten.
    Das Restaurant “Du Golf” zwischen Straße und Landeplatz ist auch der derzeitige “Fliegertreff” der Piloten von Millau. Flugshop im selben Gebäude.

Startplatz Brunas NW,N 720m:

  • Günstige Bedingungen: Wind aus N-NW.
  • Gefahren: Wind aus Nordost.
  • Zufahrt: Von Millau aus Richtung Albi. Nach dem Ortsausgang von “Creissels” die erste Straße links abbiegen und bis aufs Plateau hinauffahren. Wer von Montpellier aus kommt, kann auch noch oben auf dem Plateau nach links abbiegen, kurz bevor das Gefälle in Richtung Millau beginnt (Fermes du Larzac Nord-Ouest) und über die kleinen Feldwege nach Brunas fahren. Nicht einfach zu finden! (GPS : N 44°04.40’ E003°03.85’)
  • Landeplatz: Toplanden am Startplatz oder “Les Cascades” auf 500m (Nicht sehr großes, geneigtes Feld). Zufahrt zum unteren Landeplatz: liegt auf dem ersten Plateau oberhalb von Creissels direkt an der Auffahrt zum Startplatz.

Startplatz Pic d’Andan SE 840m:

  • Günstige Bedingungen: Wind aus Süd bis Südost.
  • Gefahren: Wind kann schnell stärker werden.
  • Zufahrt: Von Millau Richtung Cahors, nach dem Ortsausgang von Millau rechts abbiegen Richtung “Montels”. Fußmarsch bis zum Startplatz.
  • Landeplatz: 650m
  • Gefahren: geneigte, unterschiedlich plazierte Felder (in Abhängigkeit vom Bewuchs).
  • Zufahrt: an der Auffahrt zum Startplatz.

Information:

Neuerdings gibt es ausführliche, aktuelle Infos auf der Homepage von einem seit langem vor Ort ansässigen deutschen Paar. Ihr "Centre International de Vol Libre", ist die älteste Drachen-Schule vor Ort! Zusätzlich zur Drachen-Schule unterhaltenen Ruth und Jürgen auch noch ein Gästehaus für bis zu zwanzig Personen.
Internet: http://www.cabrieres.net
Tel: 05 65 59 84 44, Fax: 05 65 59 72 55
Jürgen, Centre International de Vol Libre, Cabrières, F-12520 Aguessac

Schulen und Zubehörläden:

Ailes Passion Aveyron:
12, avenue Gambetta
Tel: 05 65 61 20 96, Fax: 05 65 60 04 59
Millau Evasion:
21, avenue de la République
Tel: 05 65 59 15 30, Fax: 05 65 61 26 22
Millau Vol Libre:
6, place Lucien Grégoire (Place Foch)
Tel: 05 65 60 83 77, Fax: 05 65 59 78 59
Hat ebenfalls eine Nähwerkstatt für kleinere Reparaturen.

Windmeldestation:

Puncho d’Agast 143,9875 MHz oder Tel: 04 67 82 66 84
(Meldungen von mehreren Stationen der Region)

Verkehrsamt von Millau:

Office du Tourisme:
1, pl. du Beffroi BP 331 F-12103 Millau,
Tel: 00 33 (0)5 65 6042, Fax: 00 33 (0)5 65 60 95 08
E-mail: office.tourisme.millau@wanadoo.fr
Internet: www.ot-millau.fr

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© FLYforFUN, Michael Engelhardt